Zwischenbilanz der Motorradsaison

Die reizvollen Straßen des Schwarzwaldes gehören sicherlich zu den schönsten Strecken, die Motorradbegeisterte in Deutschland finden können. Gleichzeitig ergeben sich daraus im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg aber Schwerpunktstrecken, auf denen eine Vielzahl von Unfällen, Lärm für Anwohner und augenscheinliche Rennen dieses Idyll trügen.

Nach Rückgängen der Unfallzahlen im vergangenen Jahr, musste in der noch laufenden Saison eine Zunahme der Unfallzahlen auf den Schwerpunktstrecken registriert werden. Während außerhalb dieser Strecken die Anzahl der Motorradunfälle und meist auch schwere Verletzungsfolgen rückgängig sind, mussten auf den Schwerpunktstrecken Anstiege festgestellt werden.

Zu den Schwerpunktstrecken gehören seit Jahren die B 500 (Schwarzwaldhochstraße) zwischen Baden-Baden und der Präsidiumsgrenze am Ruhestein, wie auch die L 83 als Verbindungsstrecke von der Schwarzwaldhochstraße ins Murgtal. Ein Drittel mehr Motorradunfälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und rund zwei Drittel mehr Schwerverletzte waren dabei zwischen Januar und August auf diesen Abschnitten zu beziffern. Lediglich die Anzahl an Leichtverletzten ging um 14 Prozent zurück. Bei sehr guter Witterung und einem durchaus motorradfreundlichen Sommer kam es in diesem Jahr zu einer hohen Frequentierung der beliebten Ausflugsziele entlang diesen Strecken. Mit dazu beigetragen haben hier möglicherweise auch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Lage und ein daraus resultierendes erhöhtes Urlaubsaufkommen im Bereich des Schwarzwaldes.

Die Mehrheit der Motorradfahrer, touristische oder einheimische Fahrer, genießen den Schwarzwald aus polizeilicher Sicht unauffällig. Ein Teil der Biker nutzt die reizvollen Motorradstrecken aber offenbar ganz bewusst zum Ausreizen fahrerischer Höchstleistungen und persönlicher Grenzen.

Das Polizeipräsidium Offenburg bekämpft diese Motorraddelinquenz seit 2015 mit konzeptionellen Kontrollen, jährlich auch durch Präventionsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Die Anzahl der Unfälle war seitdem rückläufig. Neben den Verkehrsdienststellen beteiligen sich dabei auch die Polizeireviere mit Einsätzen. Dabei werden Präsenzstreifen, aber auch Geschwindigkeits- und Verkehrskontrollen durchgeführt. In der Saison 2020 wurde dabei bereits 105 dieser Einsätze durch die Beamtinnen und Beamten durchgeführt.

In den vergangenen Wochen häuften sich nun Beschwerden und Hinweise über `Motorrad-Poser´ auf der B 500 im Bereich des Helbingfelsens, sowohl bei der zuständigen Stadtverwaltung, als auch beim örtlichen Polizeirevier und der Verkehrspolizeiinspektion Baden-Baden. Mehrere Zeugen berichten dabei, dass Fahrer von hochmotorisierten Motorrädern halsbrecherisch überholten, drängelten, auffuhren und in anderer halsbrecherischer Weise fuhren, während dies auf dem Parkplatz gefilmt und fotografiert wurde.

Am vergangenen Freitag wurde der Helbingfelsen erneut einer Kontrolle unterzogen. Dabei beobachteten auch Beamte in ziviler Kleidung die Geschehnisse im dortigen Abschnitt der B 500. Mehrfaches Hin- und Herfahren, vor entsprechendem Publikum auf dem Parkplatz, zeigte sich auch hier erneut. Beispielsweise konnte ein ortsansässiger Fahrer dabei beobachtet werden, wie er mehrfach den Parkplatz, zum Teil nur auf dem Hinterrad fahrend, passierte und schlussendlich alleinbeteiligt verunfallte. Dies an genau der Stelle, an der es Mitte Juli bereits zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei verletzten Motorradfahrern kam. In der unmittelbaren Folge wurde durch den Verkehrsdienst Baden-Baden und der Zweiradkontrollgruppe des Polizeipräsidiums Einsatz eine Kontrolle am Parkplatz durchgeführt. Unter anderem erlosch an einem Motorrad die Betriebserlaubnis, da am Klappenauspuff der schalldruckmindernde `dB-Killer´ ausgebaut war. An anderen Motorrädern waren ebenfalls, jedoch nicht so gewichtige, Mängel festzustellen. Im Anschluss an die Kontrolle erfolgte die durch die Stadt Baden-Baden bereits angeordnete und temporäre Sperrung des Parkplatz Helbingfelsen bis Ende Oktober.

Die Saison ist erfahrungsgemäß noch nicht vorbei. Im Oktober 2019 waren die meisten Motorradunfälle der letzten Saison zu verzeichnen. Im Jahr 2018 waren nur auf den Schwerpunktstrecken fünf getötete Motorradfahrer zu beklagen.

Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer – also auch der Masse an Motorradfahrern, die sich in deutlicher Mehrheit an geltende Gesetze halten – bleibt auch weiterhin gewichtiger, als das vermeintliche Vergnügen weniger rücksichtloser Fahrer. Daher wird das Polizeipräsidium Offenburg seinen Kontrolldruck weiterhin aufrechterhalten und gemeinsam mit den zuständigen Verkehrsbehörden konsequent gegen Verstöße vorgehen.

/rs

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